Frühling lässt sein blaues Band

So ähnlich fühle ich mich bei unserer heutigen Tour im zukünftigen Zuhause. Als wir aus dem Auto aussteigen ist es wesentlich wärmer als beim letzten Mal. Die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel und die Luft riecht leicht würzig. Sie ist genauso klar wie der Himmel und füllt unsere Lungen mit der ersten Ahnung von Frühling. Allerdings würde ich aktuell nicht so weit gehen, von einer Frühlingswanderung zu sprechen.


Schneereste auf Wiesen und Feldern begleiten unseren Weg. So wie sie den nahenden Frühling spüren, spüren auch wir ihn, denn es wird amtlich warm in unseren dicken Mänteln. Wir erkunden die direkte Umgebung unseres Dorfes, schauen uns an, wovon die Nachbarn uns bereits erzählt haben. Der Fußballplatz mit Grillhütte, wo an den Sommerwochenenden das Dorf zusammen kommt. Um zu grillen, Dorfklatsch auszutauschen und die Gemeinschaft zu festigen. Hier zeugen noch deutlichste Spuren von Winter. Ich freue mich wie Bolle, denn schon ewig habe ich keine Eiszapfen mehr gesehen. So etwas Schönes gibt es in unserer Betonwüste nicht.


Wir entdecken Quellen, einen Bach, der noch etwas verhalten unter dem Eis hervor sprudelt. Und Rehe, die sich völlig entspannt auf den Feldern bewegen und die Menschen noch nicht auf ihrer Liste zu haben scheinen. Uns entsetzt wie sehr der Wald unter dem Borkenkäfer gelitten hat und wie viele Bäume deshalb gefällt wurden. Aber trotzdem ist es hier oben wunderschön. Endlose Weite, egal wo das Auge hinschaut. Klare, frische Luft, das erste zarte Grün, und völlig unerschrockene Tiere. Vielleicht doch die erste Frühlingswanderung für dieses Jahr?

Auf unserem weiteren Weg können wir uns garnicht an der Landschaft satt sehen, denn sie ist so vielfältig. Wir sprechen darüber, dass unsere Entscheidung bisher richtig war, hier oben ein Grundstück zu kaufen. Und werden weiterhin von herrlichem Wetter und wunderschöner Natur begleitet.


Unser Weg wechselt ab zwischen Wald, wo wir unsere Mäntel wieder dichter um uns ziehen, und Feldern. Ab und zu treffen wir andere Dörfler, halten einen kurzen Plausch und jeder, der uns begegnet, grüßt freundlich. Die Vögel zwitschern, in den Bäumen ist ein leises Rauschen zu hören. So still, wie es noch vor ein paar Wochen in der winterlichen Landschaft war, ist es heute bei Weitem nicht. Wir unterhalten uns, genießen das Wetter und gönnen uns sogar eine kurze Rast auf einer Bank am Wegesrand. Lange bleiben wir jedoch nicht, denn dafür ist es dann doch zu frisch. 

Nach unserer kurzen Pause beschließen wir, die Rundtour über den Nachbarort zu machen und uns dort die Gegebenheiten anzuschauen. Denn hier soll es einen Bäcker und einen Metzger geben. Bis wir dort sind, begleitet uns weiterhin die tolle Natur. Sie scheint sich hinter jeder Wegbiegung zu verändern und überrascht uns immer wieder.


Wir können den Nachbarort schon von Weitem sehen. Als wir die Ortsstraße erreichen finden wir auf Anhieb den Bäcker und auch den Metzger. Zusätzlich befinden wir uns in einem typischen Ort auf dem Land. Hier gibt es noch Landwirtschaft, kleine Hofläden und hübsche Fachwerkhäuser. Den Weg zurück nehmen wir nur noch ein kurzes Stück zwischen Feldern und den letzten Schneeresten. Hier lässt es sich ebenso entspannt laufen, denn es ist Sonntag und sowieso kaum Verkehr auf dieser Strecke.


Wieder zurück in unserem Dorf ist es später Nachmittag. Die Frühlingswanderung ist inzwischen weit vom Frühling entfernt und unsere Mägen verlangen nach Kaffee und Kuchen. Also ab ins Auto und zurück in die Betonwüste, wo wir auch Sonntags um diese Zeit noch Kuchen bekommen. Der vermutlich einzige Vorteil an einem Sonntag in der Betonwüste.

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