Walking in the winterwonderland

Hier in der Stadt ist es kalt, aber auch grau, trist und vor allem nass. Wir wollen raus. Raus aus dem grau des Betons und der Tristesse des Winters in der Stadt. Hinein in unser Winterwonderland.

Wir fahren ins zukünftige Zuhause, treten mit jedem eroberten Höhenmeter weiter in die weiße Winterlandschaft ein und kommen schließlich in purem Weiß an. Wir parken dort, wo einmal unsere Einfahrt sein wird und steigen aus. Sofort bläst uns ein eiskalter Wind entgegen, schneidet in die Haut und wir ziehen die Reißverschlüsse unserer Mäntel höher. Die Mütze rutscht über die Ohren und wir genießen es schon jetzt.



Der schneidende Wind zeigt uns, dass wir leben, dass das Wetter hier oben anders ist und wir können durchatmen. Eiskalte, in der Lunge brennende, aber doch reine, frische Luft. Wir gehen los. Unsere Hände in dicken Handschuhen mit einander verschränkt, die Nasen schon nach wenigen Minuten rot und brennend. Aber wir fühlen uns wohl. Die Weite hier oben nimmt uns gefangen, der Wind treibt uns vorwärts, wir atmen frei und tief. Außer unseren Schritten auf dem Weg hören wir nichts. Kein Vogel, kein Laut. Nur unsere Schritte und der Wind. 

Der Schnee schmiegt sich an die geräumten Feldwege, endloses Weiß durchbrochen von tiefem Grün. Fast schwarz ragen die Bäume am Ende der Felder vor uns auf und unsere Faszination ist ungebrochen. So stellen wir uns das perfekte Winterwonderland vor. Und dann treten wir in den Wald ein. Urplötzlich ist der Wind verschwunden, zumindest spüren wir ihn hier zwischen den Bäumen nicht. Dafür hören wir aber das Rauschen der Bäume, das Knacken des Schnees unter unseren Füßen und wenn er von den Bäumen fällt. 

Vor uns auf dem Weg sitzt ein Fuchs und schaut uns neugierig an. Uns hat er hier wohl nicht erwartet. Wir ihn aber noch weniger. Er setzt seinen Weg fort, wir ebenso und tauchen tiefer in den Wald ein. Das Licht wird schummerig, obwohl es früher Nachmittag ist. Wir gehen gemächlich dahin, sprechen nicht, sondern saugen die Stille um uns herum auf. Beobachten den unberührten Schnee am Wegesrand und im Wald. Sehen ihn glitzern, wenn die Sonne ihn berührt, die sich ihren Weg zwischen den Bäumen hindurch bahnt. Nur kurz und wie ein schemenhafter Geist, denn außerhalb des Waldes hängen die Wolken tief und es beginnt immer wieder zu schneien. Dicke weiße Flocken, die auf uns landen und sofort wieder schmelzen.


Irgendwann stehen wir am Waldrand vor einer Straße. Überlegen kurz, ob wir sie überqueren und auf der anderen Straßenseite den angrenzenden Wald erkunden. Doch ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass es bald dunkel wird und wir zurück gehen sollten. Wir checken den Weg auf dem Handy, finden eine Art Rundweg und folgen ihm. Und während wir gemächlich dahin schlendern, pfeife ich leise “Walking in the Winterwonderland”.


Wie sich herausstellt eine gute Entscheidung, denn der Schnee wird höher, die Bäume dichter und umfangen uns bald ganz dicht, während der Weg unter uns mehr einem Trampelpfad gleicht. Jetzt fiden wir auch reichlich Tierspuren, die wir neugierig betrachten. Ob wir hier richtig sind? Laut Handy schon und so gehen wir weiter. Natur, Wald, Schnee und ein leises Rauschen begleiten uns. Alltag und Betonwüste sind längst in weite Ferne gerückt und so sind wir fast traurig, als wir aus dem Wald heraus treten und uns der Wind in seiner vollen Wucht erfasst. Urplötzlich ist es wieder eiskalt. Die Nase brennt, die Augen tränen, aber wir fühlen uns wohl.


Zurück am Auto sind Heizung und Sitzheizung unsere besten Freunde, denn wir sind so durchgefroren, wie wir es lange nicht erlebt haben. Aber es stört uns nicht, denn wir hatten einen tollen Spaziergang. Wir fühlen uns wohl, wissen einmal mehr, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben und bald hier oben wohnen werden. Wir haben ein Stück Natur gekauft, bauen dort unser Blockhaus und haben noch viel mehr, viel weitere Natur vor der Haustür.

Ein gutes Gefühl. Auch, als wir wieder zurück in der Betonwüste sind und genau wissen, dass wir hier nur noch ein kurzes Gastspiel haben. Heute hatten wir unser Winterwonderland, welches wir bald in jedem Winter haben werden.

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