Frühling? Hallo? Wo bist du?
Nach ein paar Wochen des schlechten Wetters zog es uns jetzt wieder raus. Ins zukünftige Zuhause, um die ersten Sonnenstrahlen im Frühling einzufangen …
Dort angekommen fällt uns sofort auf, dass der Frühling hier noch nicht angekommen ist. Der Raps, der in Koblenz und Umgebung bereits blüht ist hier gerade mal wadenhoch und noch grün. Die Bäume beginnen gerade erst zu blühen, während sie bei uns schon in voller Blüte stehen. Aber an der Luft lässt sich erahnen, dass es auch hier im Westerwald nicht mehr lange dauern kann. Es riecht würzig, der Duft der geschlagenen Bäume weht uns entgegen und auch der Raps beginnt bereits zu duften. Es ist zwar schon recht warm, aber der Wind zwingt uns dazu, die Softshelljacken bis oben zu schließen. Wir stellen einmal mehr fest, dass wir verweichlichte Städter sind.
Die Felder entlang des Weges sind teilweise bearbeitet. Die Wiesen leuchten Grün und bilden einen herrlichen Kontrast zum satten Blau des Himmels.
Auf dem Weg begegnen uns ein paar Dörfler, die wir bereits auf anderen Wanderungen gesehen haben. Wir grüßen einander freundlich und stellen fest, dass sie uns auch erkannt haben. Die Landschaft verändert sich gefühlt hinter jeder Biegung und irgendwann geht es in den Wald hinein. Hier riecht es noch würziger als zwischen den Feldern und Wiesen und wir atmen unwillkürlich tief ein. Die Vögel zwitschern, der Wind ist verstummt und wir schrecken versehentlich ein Reh auf. Kurz zuvor hat es noch in aller Ruhe das frische, grüne Gras am Wegesrand geknabbert.
Die Erde zwischen den Bäumen ist inzwischen satt mit Moos und anderen Pflanzen bewachsen. Es sieht aus, als hätte jemand einen weichen, grühen Teppich ausgebreitet. Die Sonne malt leuchtende Flecken auf das Moos und man möchte sich ein Weilchen darauf ausstrecken. Einfach nur da liegen, weich und trocken vom Moos gebettet. Wir lauschen dem Zwitschern der Vögel um uns herum und der Blick ist in die Baumkronen gerichtet. Unter uns geschäftiges Treiben, aber davon lassen wir uns nicht anstecken. Kurz überlegen wir, ob wir diesem Impuls nachgeben, aber der Magen meines Mannes vernichtet die Idee mit einem lautstarken Knurren. Wir müssen lachen und gehen weiter. Denn Wasser haben wir dabei, aber weder Kuchen noch Teilchen, nach denen es dem Gatten gelüstet.
Trotz der Kuchengelüste lassen wir uns im Wald viel Zeit. Bleiben immer wieder stehen, halten nach Tieren Ausschau oder schauen einfach auf das satte Grün zwischen den Bäumen. Es macht Spaß hier zu sein, die Natur um uns herum zu haben und sie in Ruhe betrachten zu können. Uns hetzt nichts und so ist es später Nachmittag, als wir den Wald wieder verlassen. Die Sonne hat inzwischen noch mehr an Kraft gewonnen und auch der Wind macht ein Päuschen. Wir ziehen die Reißverschlüsse der Jacken wieder auf und lassen Luft an die Haut.
Zurück am Grundstück schauen wir, ob man dort den Frühling erkennen kann. Und tatsächlich blühen zwischen Lavendel und einem alten Baumstumpf ein paar weiße Blümchen. Die ersten Bäume zeigen zarte Blüten und so langsam lässt sich erkennen, um welche Bäume es sich handelt. Ich finde Zwiebeln, wo die Garage stehen wird und ärgere mich, dass ich sie raus reißen muss, bevor sie reif sind. Aber vielleicht habe ich Glück und darf doch die ersten Landzwiebeln ernten.
Auf dem Heimweg bin ich ganz beseelt von den ersten, zarten Anzeichen von Frühling. Ich bin gespannt, wie sich unser Grundstück mit den Jahreszeiten verändern wird. Was ich wohl noch alles entdecke?





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